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Ein gemeinsames BNE-Verständnis bringt Klarheit und Sicherheit

Interview mit Akteur:innen der Stadt Herne

Im Juni 2021 unterzeichnete der Oberbürgermeister der Stadt Herne, Frank Dudda, die Zielvereinbarung mit dem Kompetenzzentrum Bildung – Nachhaltigkeit – Kommune. Seitdem wird die Stadt – als eine von 46 Modellkommunen – vom Kompetenzzentrum in ihrem BNE-Prozess begleitet. Neben weiteren BNE-Aktivitäten und Maßnahmen wurde der BNE-Prozess in Herne von Beginn an mit der Arbeit im Quartier Wanne-Süd verknüpft. Das Gebiet gilt als Reallabor und die dort gesammelten BNE-Erfahrungen sollen in einem nächsten Schritt auf das weitere Stadtgebiet übertragen werden. Eine besondere Rolle kommt im Quartier der BNE-Ideenschmiede zu, in der unterschiedlichste Akteur:innen BNE-Angebote für die Bevölkerung in Wanne-Süd entwickeln und umsetzen.
 
Hier im folgenden Interview berichten die Akteurinnen Barbara Kruse (Bildungsbüro Herne), Greta Wulfekötter (Prozessbegleitung im Kompetenzzentrum Bildung – Nachhaltigkeit – Kommune), Wilma Weihrauch (Leiterin einer Kindertageseinrichtung) und Tamara Felske (Leiterin des offenen Ganztags und des Familiengrundschulzentrums) darüber, wie die Akteur:innen der Ideenschmiede zu einem gemeinsamen BNE-Verständnis gefunden haben und wie sich das Verständnis auf ihre Arbeit auswirkt.

Frau Kruse, Sie arbeiten im Bildungsbüro der Stadt Herne und sind dort zuständig für den BNE-Prozess. In Herne ist der BNE-Prozess von Anfang an mit der Arbeit in einem konkreten Quartier verbunden worden, dem Quartier Wanne-Süd. Können Sie bitte kurz erläutern, warum das so ist?

Foto von Barbara Kruse

Barbara Kruse

Ich hatte relativ wenig Vorgaben für den BNE-Prozess. Aufgrund meiner begrenzten Stundenkapazitäten suchte ich allerdings nach einem praktikablen Ansatz, um mich dem komplexen Thema BNE zu nähern. In Wanne-Süd konnte ich an ein bestehendes Netzwerk andocken. Außerdem lief im Quartier ein Stadterneuerungsprozess mit zusätzlichen Ressourcen und zu einem früheren Zeitpunkt hatte im Quartier bereits eine Auseinandersetzung mit dem
Thema Nachhaltigkeit stattgefunden. Vor diesem Hintergrund hatte ich die Idee, dass ich die beiden Themen Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Stadt miteinander kombinieren könnte und zusammen erfahrbar werden lasse. Daraus ist der Plan entstanden, dass man dieses begrenzte Gebiet, dieses Stadterneuerungsgebiet, quasi wie ein Reallabor nutzt, um hier Erfahrungen zu sammeln, die man später auf das weitere Stadtgebiet übertragen kann.

Greta, Du arbeitest im Kompetenzzentrum Bildung-Nachhaltigkeit-Kommune und hast die Kommune Herne von Anfang an in ihrem BNE-Prozess begleitet. Mitte 2020 hast du in einem Auftaktworkshop im Quartier Wanne-Süd das Konzept BNE vorgestellt. Wie war das genau?

Bild von Greta Wulfekötter

Greta Wulfekötter

Ja, ich habe kurz nach Unterzeichnung der Zielvereinbarung den Auftaktworkshop veranstaltet. Das Ziel der Veranstaltung war zum einen, einen motivierenden Auftakt zu gestalten und so unter den anwesenden Akteur:innen Mitstreiter:innen zu gewinnen. Zum anderen habe ich einen kleinen theoretischen Impulsvortrag gehalten. Darin bin ich auf die Bedeutung von BNE eingegangen, um alle Personen auf eine gemeinsame Basis zu stellen.
Außerdem hatte ich noch einige Praxisbeispiele mitgebracht, um BNE etwas greifbarer zu machen. Anschließend sind wir gemeinsam in eine Sammlung von BNEAktivitäten und-Angeboten gegangen. Und die Sammlung zeigte dann, dass den BNE-Aktivitäten und -Angeboten eine große Spanne an unterschiedlichen BNE-Verständnissen zugrunde lag und dass es schon ganz sinnvoll ist, darüber zu sprechen, was man überhaupt unter BNE verstehen will.

Frau Kruse, im Kompetenzzentrum haben wir die Erfahrung gemacht, dass viele Kommunen mit dem Konzept BNE zunächst Schwierigkeiten haben und es als wenig praktikabel empfinden. Wie war das bei Ihnen? Sie saßen auch im Auftaktworkshop von Frau Wulfekötter. Was haben Sie nach dem Auftaktworkshop über BNE gedacht?

Foto von Barbara Kruse

Barbara Kruse

Mein Eindruck war tatsächlich, dass das gar nicht so einfach ist, zu einem gemeinsamen BNE-Verständnis zu kommen. Außerdem wurde mir klar, dass es auch nicht einfach sein wird, gut zu kommunizieren, was BNE ist oder was BNE sein kann und mit welchen Mehrwerten BNE sich verbindet. Nach dem Auftaktworkshop mussten wir dann ins Handeln kommen. Die erste Herausforderung dabei war für mich, aus dieser großen Gruppe an Akteur:innen, die zum Auftaktworkshop gekommen waren, Interessierte zu gewinnen, die wirklich längerfristig an diesem komplexen Thema BNE arbeiten wollen. Und dann musste ich in einem nächsten Schritt einen Ansatz finden, der die Bedürfnisse der Bildungseinrichtungen vor Ort sowie der dortigen Akteur:innen wirklich trifft. Ich wollte der Gruppe das BNE-Konzept des Auftaktworkshops nicht einfach eins zu eins überzustülpen, sondern den Mitwirkenden viel Raum bieten, Eigenes zu entwickeln.

Frau Weihrauch und Frau Felske, Sie kommen beide aus der Praxis, genauer gesagt aus dem Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung & Erziehung sowie der schulischen Allgemeinbildung (Bereich Grundschule). Auch Sie waren im Auftaktworkshop dabei. Wie haben Sie als Praktikerinnen über BNE nach dem Auftaktworkshop gedacht?

Wilma Weihrauch

Wilma Weihrauch

Also mich hat zunächst sehr die freie Form begeistert. Darüber hinaus fand ich die Idee spannend, in unserem bereits bestehenden Netzwerk gemeinsam zu einem bestimmten Thema tätig zu werden, also das Thema BNE als roten Faden für die Netzwerkarbeit zu verfolgen. Mich interessiert das Thema Nachhaltigkeit auch persönlich, insbesondere in Verbindung mit Naturerfahrungen und im Hinblick auf unserer Zielgruppe, die wir als Kindertageseinrichtung haben. Und da hatte ich schon direkt im Anschluss an den Auftaktworkshop das Gefühl, da können wir etwas bewirken! Da können wir gemeinsam Zukunft gestalten und auch schon die ganz jungen Menschen für das Thema BNE begeistern und denen etwas mit auf den Weg geben.

Tamara Felske

Tamara Felske

Bei mir war es nicht ganz so schön konkret wie bei Frau Weihrauch. Frau Wulfekötter hatte als eines ihrer Ziele im Auftaktworkshop ja benannt, neue Akteur:innen zu gewinnen und zu motivieren. Das ist Ihnen bei mir gelungen! Durch den Auftaktworkshop hatte mein BNE-Verständnis noch einmal ganz neue Dimensionen und Facetten angenommen. Allerdings war ich auch etwas überwältigt von der Komplexität und von der Fülle des Konzeptes. Ich habe mich dann erstmal auf den Weg gemacht, mein persönliches BNE-Verständnis weiterzuentwickeln.

Spannend, zwei sehr unterschiedliche Eindrücke. Wie ging es nach dem Auftaktworkshop weiter?

Foto von Barbara Kruse

Barbara Kruse

Nach dem Auftaktworkshop haben wir alle, die Lust hatten, sich gemeinsam im Bereich BNE zu engagieren, zu einer Quartiersbegehung eingeladen. Zu diesem Anlass konnten sich die interessierten Einrichtungen einander vorstellen und erste Bezüge zum Thema BNE präsentieren oder auch Ideen und Wünsche äußern. Und während diesem ersten, sehr lebendigen Treffen in kleinerer Runde gab es bereits eine Verabredung zu einem ersten Arbeitstreffen. Das war dann die Geburtsstunde unserer BNE-Ideenschmiede. Das ist unser Arbeitsformat, in dem sich die Interessierten mittlerweile sogar im Turnus von vier Wochen treffen und gemeinsam Ideen für Bildungs- und Quartiersprojekte entwickeln. Die Menschen, die sich dort treffen, das sind Engagierte aus dem Bereich der Grundschule, der Kita von Frau Weihrauch; die Stadtteilkoordinatorin ist auch dabei. Zudem nehmen noch zwei Wohlfahrtsverbände teil: das sind die Quartiersmanagerin vom Deutschen Roten Kreuz und eine Koordinatorin von der Arbeiterwohlfahrt, die die Seniorenarbeit betreut. Später ist noch eine Kirchengemeinde zu uns gestoßen. Wir vom Bildungsbüro betreuen das Ganze.

Schon im Auftaktworkshop wurde deutlich, dass Menschen unter BNE häufig ganz unterschiedliche Dinge verstehen oder verschiedene Aspekte als wichtig erachten. Wie war das bei den Teilnehmenden der BNE-Ideenschmiede? Waren die sich von Anfang an einig darin, was BNE für sie bedeutet?

Tamara Felske

Tamara Felske

Ich hatte vorhin ja bereits gesagt, dass ich zu der Zeit ganz motiviert war, mein Wissen zu erweitern, und deshalb war ich ganz aufmerksam, wie andere BNE sehen. Das ist eigentlich auch das Schöne an unserer zusammengewachsenen Gruppe: Dass wir uns von Anfang an ergänzt haben und uns gegenseitig inspirieren und unterstützen. Wir haben sehr viel diskutiert und uns ausgetauscht, und haben sogar bei kleinen Schritten überlegt. Also gerade am Anfang war es sehr spannend bei uns, aber immer ganz friedlich und gewinnbringend und das ist eine tolle Arbeitsgrundlage.

Wilma Weihrauch

Wilma Weihrauch

Das kann ich bestätigen, dass es gerade zu Beginn viele Gespräche und Diskussionen zu einem gemeinsamen BNE-Verständnis gab und zu Fragen wie: „Was nehmen wir uns inhaltlich vor? Was gehört wirklich zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung und was eben nicht?“

Foto von Barbara Kruse

Barbara Kruse

Also ich fand, dass glücklicherweise von Anfang an so eine gewisse Grundübereinstimmung darin bestand, was die Gruppe will, dass sie eben aktiv eine gute Zukunft für das Quartier – oder für die Bewohner:innen im Quartier – voranbringen will. Das fand ich überhaupt nicht selbstverständlich, dass alle über die eigene Einrichtung hinauswirken wollten. Dieses Grundverständnis: „Was wollen wir denn jetzt eigentlich?“, das mussten wir allerdings immer wieder mal nachschärfen. Und bei der großen Fülle an Ideen, die wir in einzelnen Sitzungen hatten, gab es auch immer wieder so ein Ringen um das, was BNE eben ausmacht.

Jetzt besteht die BNE-Ideenschmiede schon seit fast vier Jahren. Ihre Arbeit geht kontinuierlich weiter. Trotzdem sind Sie irgendwann an einem Punkt gekommen, wo Sie beschlossen haben, sich Leitsätze zu geben und zu definieren, was BNE für Sie bedeuten soll. Vielleicht können Sie das ein bisschen näher erzählen. Wie kam es dazu?

Foto von Barbara Kruse

Barbara Kruse

In der Gruppe haben wir unter anderem diskutiert, welche Zielgruppen wir vorrangig bedienen wollen und welchen Charakter unsere Angebote haben sollen. Wir fragten uns ‚Wann empfinden wir ein Angebot als nachhaltig und wann nicht, und wie wollen wir uns im Detail aufstellen?’ 

Manchmal war das auch so eine Art ‚Wieder auf die Spur bringen’, wenn wir uns zu sehr von unserem Ursprungsgedanken weg entfernten. Und an einem bestimmten Punkt dachte ich, das macht jetzt Sinn, sich noch einmal grundsätzlich über diese Fragen zu verständigen. Deshalb habe ich dafür geworben, dass wir uns neben dem normalen Arbeitstreffen eine gewisse Extrazeit nehmen, um ein gemeinsames Verständnis von unserer Arbeit zu entwickeln, sei es in Form eines Leitbildes oder in Form von Leitsätzen.

Wie wurde diese Idee in der Gruppe aufgenommen? Frau Weihrauch und Frau Felske, wie fanden Sie es, sich noch einmal konzeptionell mit BNE auseinanderzusetzen?

Tamara Felske

Tamara Felske

Ich glaube, mir persönlich hat es Handlungssicherheit gegeben. Wir haben mit dieser konzeptionellen Auseinandersetzung ungefähr zur Halbzeit unseres Gruppenprozesses begonnen. Das heißt, wir selber hatten schon einen Überblick für uns als Gruppe entwickelt, wo wir hinwollen. Die Verständigung über diese Leitsätze ist recht schnell und gut gelungen, weil wir schon eine Vorstellung von unserem gemeinsamen Weg hatten. Die konzeptionelle Arbeit ist wirklich ein schöner Gruppenprozess gewesen, der aber eindeutig von Frau Kruse angeregt wurde. Also ich persönlich hätte mich jetzt nicht auf den Weg gemacht, aber im Nachhinein bin ich sehr dankbar dafür, dass es geschehen ist.

Bild von Greta Wulfekötter

Greta Wulfekötter

Ich erinnere mich, dass es auch Stimmen gab, die gefragt haben „Braucht es diese theoretische Auseinandersetzung mit BNE und wollen wir uns nicht einfach zusammensetzen und die Zeit dafür nutzen, tolle Projekte zu starten? Warum müssen wir uns jetzt noch mal überlegen, was das alles so für uns bedeutet?“

Foto von Barbara Kruse

Barbara Kruse

Das ist auch bis heute noch ein Thema in unserer Arbeitsgruppe, dass der Anteil der fachlichen Auseinandersetzungen in den Sitzungen und der Anteil des Handelns in der Praxis gut in der Waage sein muss. Ich glaube aber, dass alle den Prozess der konzeptionellen Auseinandersetzung mit BNE gewinnbringend fanden.

Können Sie den Prozess ganz kurz beschreiben, wie sie zu den Leitsätzen gekommen sind?

Foto von Barbara Kruse

Barbara Kruse

Greta hatte das Ganze gut vorstrukturiert und gemeinsam haben wir einen Fahrplan entwickelt. Der erste Step bestand darin, dass jeder individuell das eigene BNE-Verständnis reflektieren und überlegen konnte, welche eigenen Wünsche er oder sie mit diesem Prozess bei uns im Quartier verbindet. Diese Vorstellungen haben wir dann zusammengetragen. Greta hat daraus einen Ergebnisbericht erstellt, den alle in einer zweiten Phase erhalten haben. Im Bildungsbüro haben wir daraus einen ersten Aufschlag für ein BNE-Verständnis erarbeitet. Dieses Ergebnis haben wir in die Runde gegeben und noch einmal geschaut, dass wir Anregungen und Bedenken zu dem einfangen, was wir verschriftlicht hatten. Und das alles haben wir dann zu einer Endversion abgestimmt.

Könnten Sie zusammenzufassen, was das Wichtigste an den Leitsätzen ist?

Foto von Barbara Kruse

Barbara Kruse

Zum einen kreisen die Leitsätze ein, worauf unsere Arbeit zielt. Dass wir Lernangebote für Kleine und Große im Quartier entwickeln wollen, um nachhaltige Entwicklung zu verstehen und unterstützen zu können. Dann beschreiben sie auch, welche spezifischen Ziele und Grundsätze unsere Bildungsarbeit verfolgt: Unsere Arbeit fördert das entdeckende Lernen und eine Bildung mit allen Sinnen. Außerdem stärkt sie die inneren Ressourcen, denn das Thema Resilienzförderung ist bei uns sehr, sehr wichtig. Die Leitsätze beschreiben auch, wie sich unsere Zusammenarbeit gestalten soll, dass wir auf die Kooperation von Akteur:innen im Sozialraum und aus der Stadtverwaltung setzen. Sie beschreiben, dass wir den Bildungsauftrag als Verantwortungsgemeinschaft wahrnehmen wollen und letztendlich auch, dass wir ein Pilotgebiet für die gesamte Stadt sein möchten. Dementsprechend wollen wir unser Wissen später der Gesamtstadt zur Verfügung stellen.

Hat sich durch die Leitsätze etwas in der BNE-Arbeit der Ideenschmiede verändert?

Tamara Felske

Tamara Felske

Ja, mittlerweile ist es so, dass das, was mit den Leitsätzen festgehalten wurde, dass wir das von innen heraus leben. Wir brauchen dieses Papier selten neben uns liegen zu haben, weil wir da einfach so ein gemeinsames Verständnis entwickelt haben.

Wilma Weihrauch

Wilma Weihrauch

Ich denke, das ging uns allen so, dass durch die Leitzsätze Klarheit und Sicherheit erzeugt wurden. Ganz wichtig an den Leitsätzen ist aber auch noch ihre Ausrichtung auf ein positives Handeln. Das heißt, uns geht es um den ökologischen Handabdruck und nicht um den Fußabdruck. Wir richten den Blick immer darauf, was wir tun können. Also ‚Was können wir verändern? Wo können wir mit beiden Händen anpacken? 

Dabei erleichtert uns die Arbeit ungemein, dass wir wie selbstverständlich über das Gleiche reden! Wir können uns sehr, sehr klar und sicher untereinander verständigen.

Greta, vielleicht noch einmal abschließend aus Deiner Sicht als Prozessbegleitung: Wie kann man Kommunalverwaltungen oder Kommunen gut darin unterstützen, ihr eigenes BNE-Verständnis zu erarbeiten?

Bild von Greta Wulfekötter

Greta Wulfekötter

Der erste Punkt ist, ihnen Raum und Zeit dafür zu schaffen, dass sie sich damit in Ruhe auseinandersetzen können. Und der zweite Punkt ist, dass diese Erarbeitung eines gemeinsamen BNE-Verständnisses ein Prozess ist. Man kann sich nicht in einer Sitzung zusammensetzen und erwarten, dass am Ende dieser Sitzung ein gemeinsames BNE-Verständnis auf einer Moderationskarte steht. Es braucht Zeit, zu reflektieren: „Passt das so für mich oder müssen wir da vielleicht noch mal nachschärfen?“ 

Und man darf von Anfang an auch nicht zu viel wollen. Vielleicht kann man sich erst einmal auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen und sagen: „Okay, darauf verständigen wir uns jetzt. Wir probieren das erstmal aus.“ 

Später nimmt man sich aber dann noch einmal die Zeit, um zu schauen: „Passt das noch oder wollen wir da einen Schritt weitergehen oder müssen wir einen Schritt zurückgehen?“

Foto von Barbara Kruse

Barbara Kruse

Ich finde auch wichtig, so etwas zum richtigen Zeitpunkt zu thematisieren. Ich glaube, wenn wir das zu früh gemacht hätten, wäre das nicht gut aufgenommen worden. Ich finde, eine Empfehlung an andere Kommunen ist der Zeitpunkt. 

Tamara Felske

Tamara Felske

Also für mich als Praktikerin war der Zeitpunkt ganz wichtig. Ich hätte nicht an diesen Leitsätzen direkt zu Beginn unserer Arbeit arbeiten können. Als wir nach ca. anderthalb Jahren die Leitsätze entwickelt haben, konnte ich die Ideen und das Verständnis abgleichen mit den Erfahrungen, die wir zuvor in der Praxis gesammelt hatten. Das fand ich ganz wichtig. 

Foto von Barbara Kruse

Barbara Kruse

Ich denke, diese offene Form des Prozesses ist ebenfalls wichtig. Und da kommt es am Ende immer auf die Menschen an, die sich da zusammenfinden und miteinander arbeiten. Ich kann mir vorstellen, dass das von Kommune zu Kommune sehr, sehr unterschiedlich ist. In einer anderen Kommune muss vielleicht sogar erstmal ein kleines Verständnis entwickelt und niedergeschrieben werden und nach einem Jahr der Zusammenarbeit wird das noch einmal erweitert. Diese offene Art, der Prozess, der sich an den unterschiedlichen Ressourcen der mitwirkenden Akteur:innen orientiert, das ist ganz, ganz wesentlich für einen gelingenden Prozess. 

Vielen Dank für das Gespräch.

Bundesland
Nordrhein-Westfalen
Handlungsfeld
Strategie und Ziele
Kommunenart
kreisfreie Stadt
Sprache
deutsch
| Katrin Otremba
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